Der Stadt sieht man ja schon an, das sie mal viel Geld hatte. Im Stadtkern stehen schöne alte Häuse rund um das Theater. Das ist aber laut Reisefüher auch schon die einzige Sehenswürdigkeit, so das wir auch nur auf dem Platz davor in einem Restaurant gegessen haben. Vorher sind wir noch eine Runde durch die Strassen gegangen und ich konnte endlich mein Problem lösen. Nachdem meine Uhr wegen Batteriemangel schon in Curitiba stehengeblieben ist, war ich auf der Suche nach einer günstigen Digitaluhr. Nachdem es überall nur relativ teuer oder groß und klumpig gab habe ich hier in einer Art Media Markt das Uhrenregal gefunden. Neben akustischen Gitarren, Keyboards und Aussenbordmotoren findet man selbstverständlich auch Handys und Casio Uhren.

Am Morgen hat uns dann der Fahrer von Amazongero pünktlich abgeholt und wir sind mit noch ein paar Anderen losgefahren in Richtung Hafen.
Hier landen die Fähren und Boote an und die Fischer laden ihren Fang aus. Entlang der Rampe zum Fluss gibt es viele kleine Läden, die den frischen Fisch verkaufen.
Vor der Rampe ist es allerdings ziemlich dreckig, weil der Amazonas gerade Niedrigwasser führt. Die Trockenzeit ist zu Ende und jetzt beginnt die Regenzeit. Der Pegel wird noch um einige Meter steigen, dann sieht es hier auch wieder besser aus.
Meeting of the Waters
Hier fliesst das kältere und saurere Wasser des Rio Negro in den wärmeren Rio Solimoes und bildet damit ab hier den Amazonas. Wegen der unterschiedlichen Temperatur und Dichte vermischt sich das Wasser auf einer Länge von ca 15km nicht. Die unterschiedliche Farbe des Wassers (mitgeführtes Sediment) zieht auf dem Wasser eine ziemlich deutliche Grenze. Spannendes Schauspiel.
Offroad Bus
Auf der anderen Seite angekommen steigen wir in einen Bus um. Ein ziemlich abgerockter 13 sitziger Reisebus, dessen Tür mit einem Seil zugehalten wird, weil die Schweissnaht der Verriegelungsstange gebrochen ist. Der Grund dafür erschliesst sich später, als wir nach einer Asphaltpiste auf eine Buschpiste abbiegen, die man eigentlich nicht in diesem Tempo mit einem Bus befährt. Jedenfalls nach Deutschen Masstäben. Eine Geländewagen ist hier nicht eine übertriebene Wahl. Über die Stossdämpfer habe ich nicht weiter nachgedacht und mich darauf verlassen, das die Fahrerin (die barfuss fährt weil sie ihre hohen Schuhe zum Fahren auszieht) Fahrzeug und Piste beherrscht.
Zwei Stunden lang fahren wir durch ehemaligen Urwald, der für die landwirtschaftliche Nutzung gerodet wurde. Weiter vom Fluss entfernt wird die Rodung frischer bis hin zu Brandgeruch und einigen Feuern. Hier wird gerade neues Ackerland geschaffen, das dann nach zwei Jahren auch wieder nur noch als Wiese taugt. Erschreckend grosse Flächen und wir sehen hier nur einen Bruchteil des (ex)Regenwaldes, obwohl wir aus der Luft schon einige gerodete Flächen erkennen konnten. Aber wer hier lebt und sonst kein Einkommen hat interessiert sich warscheinlich nicht wirklich für den Erhalt des Waldes – ist ja genug da…
Irgendwann wird es wieder unberührter und wir kommen an einen der zahlreichen Seitenarme des Amazonas. Hier wird in ein Kanu umgeladen und mit zwei kleinen Motorkanus geht es weiter zur Lodge. Ein Kanu mit und eins ohne Dach. Ich interessiere mich spontan für die Cabrio Variante – die ist kleiner, schneller beladen und fährt sofort los. Dunkle Wolken kündigen das Befüllen des Flusses an und wollen den Besuchern zeigen, warum es Regenwald heisst. Wir sind aber schneller – sehen unterwegs Kaimane und düsen in Richtung Jungle Hotel. Dort gibt es erstmal Mittagessen – und einen Wolkenbruch. Die Anderen kommen 15 min später während wir schon bei hauchzartem Gulasch sitzen und haben den Regen mutig mit ihrer Kleidung aufgefangen.