Ausser uns verlassen heute alle anderen aus unserer Gruppe die Lodge, daher ging es auf die letzte Tour nach dem Frühstück. Nach 45min Kanufahrt kommen wir an einen ca 400 Jahre alten Baum mit einem riesigen Stammdurchmesser. An den herunterhängenden Lianen kann man sogar hochklettern – sofern man das kann. Magnim macht das mit einer Selbstverständlichkeit vor, das einem die eigenen Versuche doch reichlich unfähig vorkommen.



Die Engländer hatten wohl unterwegs schon genug Natur gesehen und waren im Boot die ganze Zeit am Sabbeln. Nerv !!! Irgendwann haben sie dann angefangen zu singen. Beatles, ABBA, Queen, … Das war zwar angenehmer als das Gequassel (zumal sie nicht so schlecht singen wie ich), nervt aber auch irgendwann. Mein Musikwunsch Bohemian Rapsody mit allen Stimmen lies sie zunächst verstummen. Weingstens ein bisschen Ruhe.
Aber egal, die packen jetzt gerade und wir machen mit unserem Guide gleich eine private Tour – nach dem Essen gehts wieder in den Busch – ohne singen und anderes unqualifiziertes Nutzen des Stimmapparates.
Jetzt sind wir alleine mit unseren beiden Guides unterwegs. Mit dem Kanu gehts auf die andere Seite des Flusses – oder was davon noch übrig ist – und auf dem Landweg rüber zum Hauptarm, der auch tiefer ist und mehr Wasser führt. Normalerweise geht das auf dem Seeweg aber der ist trockengefallen. Dann weiter in einem kleinen Kanu mit Paddelantrieb. Das Wasser ist nur 5cm unterhalb der Bordwand – man hat das Gefühl sofort zu kentern sobald etwas wasser rüberschwappt oder eine 10cm Welle kommt. Dementsprechend bewegungslos sitzen wir da und lassen uns von denen, die es können sollten ein Stück den Fluss herunter paddeln.
Hier finden wir wieder ein Faultier hoch oben im Baum. Magnim imitiert den Ruf eines Adlers und das Faultier bewegt sich langsam den Baum hinab wo es besser getarnt ist.





Dann gehts wieder ein Stück durch den Busch wo wir noch einen Gummibaum anzapfen und dann erstreckt sich vor uns eine große Ebene, die eigentlich ein See ist. Zur Weit ist es aber Watt, weil nur noch in der Mitte ein bisschen Wasser übrig ist, der Rest ist Schlick und Matsche. Hier wohnen eine Menge Vogel, eine Entenfamilie schwimmt über den See und als der Guide die Kaimane ruft, tauchen überall in der Wasserpfütze Augen auf. Als Ente möchte ich da nicht schwimmen gehen.


Auf dem Rückweg fahren wir noch an einen Sandstrand – es ist so viel Wasser im Fluss, das wir schwimmen könnten (was ein paar Einheimische auch tun), leider haben wir nur Trekkingklamotten an. Ich wär gerne reingesprungen. Hier liegt auch eins der Floating Homes auf dessen Veranda wir einige der Lodgemitarbeiter treffen. Als wir im Kanu aufbrechen wollen, kommt gerade der Vater von unserem local Guide aus Manaus angereist, daher paddeln wir erstmal zum Haus zurück. Großes Familientreffen! Leider sprechen alle nur portugiesisch, so dass unser Kontakt nicht über ein bisschen Zeichensprache hinausgeht. Das Wichtigste ist aber einfach lächeln und Daumen hoch. Das ist hier universell und machen alle andauernd.

Der Strand ist natürlich auch Fussballplatz. Die Schräglage behindert nicht das Spiel. Ab und an muss einer ins Wasser um den Ball wiederzuholen.
Damit Silas, der local Guide bei seiner Family bleiben kann anstatt die beiden Deutschen Touristen zurückzupaddeln fährt uns einer aus der Riesenfamilie im Motorboot zurück. Der 20 PS Außenborder am Aluboot macht richtig Speed. Unterwegs halten wir wieder an einem Floating home, was sich als der lokale Shop und Tankstelle herausstellt in der der Inhaber mit seiner Familie wohnt. In einem Wasserkanister wechseln 10l Benzin den Besitzer und dann geht es mit richtig Speed durchs flache Wasser, das sich beim Hand reinhalten als Badewannenwarm herausstellt.
Der letzte Abend endet natürlich an der Bar, hinter der der Motorbootfahrer im Bewegungstempo eines Faultieres Caipirinhas mixt die es richtig in sich haben. Wir quatschen mit allen möglichen anderen Reisenden. Nach dem ersten Caipi läuft Petras Englisch absolut flüssig, nach dem dritten gehen wir ins Bett ohne eine Erinnerung daran wie spät es war.