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Brasilien

Auf der Suche nach dem Faultier

Es war aber zu faul um sich zu zeigen. Auch eine Expedition unserer Guides führte zu keinem Ergebnis. Wir hatten es morgens hoch oben im Baum gesehen aber jetzt war es nicht mehr aufzufinden.Stattdessen trafen wir auf dem Fluss einen Fischer beim Einholen seines Netzes. Wir durften ihm zusehen und er war über das Interesse und meine Fotosession sichtlich erfreut. Er präsentierte die größeren Fisch im Netz. Auch einige Piranhas und andere kleine Fische waren darunter – sie wurden aber befreit und in den Amazonas entlassen. Einer hatte Pech – ein Piranha hat ihm in den Hintern gebissen während er sich im Netz verfangen hatte.


Am Ende kam der Fischer an unser Boot und hielt mir seinen Eimer mit dem Tagesfang hin. Geduldig wartete er den Objektivwechsel ab weil er nu wirklich zu nah für ein Tele war. Ich sollte ein Bild machen.


  
Im Hintergrund sah man einige Leute quer durch den Fluss waten – so flach ist es zur Zeit. Kaimane und Piranhas und andere Fische sind da übrigens auch drin – stört hier aber wohl keinen so wirklich. Auf einem Kanu kamen ein paar Mädels angerudert – sie alle treffen sich beim Fischer auf seinem Fussballplatz zu einem Nachmittagsspiel. Dorthin läd er uns auch ein.


  
Erste Hürde: das Boot verlassen. Das Wasser ist so niedrig, das das Ufer aus Schlickmatschepampe besteht in die man einsinkt. Da Petra und ich festgestellt haben, das man im Boot immer vorne sitzen muß um alles mitzukriegen und zwischendurch den vorne sitzenden Guide mit Fragen zu löchern steigen wir als Erstes aus. Ich bleibe mal in der Pampe stehen und helfe beim Kanufesthalten. Und beim Engländer durch Matsche helfen. Zwei großgewachsene, durchtrainierte und maximalpigmentierte Typen in Fussballklamotten von Arsenal und Liverpool (wir erinnern uns – es sind Engländer) haben auf Schlick eine Körperbeherrschung wie eine neugeborene Giraffe auf Glatteis. Erstaunlich, daß ich sie nur festhalten und nicht den Hang hochtragen musste. Das Schauspiel wiederholte sich übrigens noch ein paar mal im Laufe des Nachmittags.

Oben angekommen lief schon das Fussballspiel auf einem Bolzplatz wie ihn die Deutsche Jugend seit 70 Jahren nicht mehr gesehen hat. Eine Truppe wirklich durchtrainierter Jugendlicher spielt 4 gegen vier mit Wechsel bei jedem Tor. Teilweis barfuss. Die Engländer mussten natürlich auch mitspielen. Ohne Schlick unter den Füssen kamen die beiden mit ihrer Motorik besser klar, waren aber den Einheimischen technisch unterlegen. Das ist der Brasilianische Nachwuchs… Der Fischer bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht angesichts des Interesses an ihm.


  
Auf einmal galoppierten seine Schweine zum Wohnhaus – wenig später trieb der Ziegenbock seine Mädels in die gleiche Richtung – keine Ahnung ob es Abendessen gibt oder was los war. Ein grüner Papagei lebt auch im Haus. Aber es steht ihm frei durch die Gegend zu fliegen (wir erinnern uns hier an die fehlenden Fensterscheiben). So wie bei anderen Häusern alle Tiere frei rumlaufen. Warscheinlich haben sie einen natürlichen Zaun – auf den gerodeten Flächen können sie rumlaufen, am Waldrand ist kein Durchkommen (deswegen gibt man Ziegen auch keine Macheten) und an der Wasserlinie passen dieKaimane auf, das keiner abhaut.

Auf dem Rückweg hat sich dann ein Monkeyfisch freiwillig in der Nahrungskette vorne angestellt. Scheinbar von suizidalen Gedanken getrieben sprang er aus dem Wasser und landete im Bug. Blöd – ein gekonnter Griff in die Kiemen und er konnte nicht mehr weg. Magnim lieferte ihn später in der Küche ab – ca 40cm lang und bestimmt genug für 4 Personen. Mal sehen was es heute Mittag gibt…