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Brasilien

Besuch bei einheimischen Fischern

Heutiges Morgenprogramm ist, dass wir zu einer Insel mit den indigenen Bewohnern dieser Gegend fahren (gehört zum Touri-Programm). Die geplante Insel konnten wir aufgrund Wassermangels nicht anfahren, daher gings zu anderen Nachbarn. Auch hier war der Ausstieg aus dem Boot aufgrund des Wasserstandes, der aus meiner Sicht trotz der ersten Regenfälle nochmals abgesunken ist, ziemlich schwierig. Zum Glück hatten wir uns für unsere Wanderschuhe entschieden und blieben nicht, wie die anderen mit Ihren Flop-Flops im Schlamm stecken – war aber sehr lustig. Magnim hat uns ein wenig was dazu erklärt, wie die Leute hier so leben.
Als erstes waren wir in der Mehlfabrik. Also einem Unterstand aus Holz mit Palmwedeldach unter dem Maniok (die hiesige Stärkequelle und so etwas wie der Kartoffelersatz) zunächst gewässert, gemahlen und dann ausgepresst wird. Alles mit einfacher Holzmechanik – nur das Mahlwerk wird mit einem Motor angetrieben. Das Zeug ist eigentlich giftig und man muss erstmal was essbares daraus machen. Der ausgepresste Saft gibt eine gute Suppe, die die Lippen durch ihr Gift leicht taub macht, soll aber lecker sein. Der Rest wird in einer Paellapfanne mit 3m Durchmesser geröstet bzw getrocknet und was übrig bleibt ist das Maniokmehl aus dem man hier alles mögliche Kocht und Backt. Bei diesem Prozess des Trocknens in der Pfanne wird man wohl auch wieder ein bisschen high. Insgesamt dauert es ca 2 Wochen eine Ernte zu verarbeiten. Viel Geld bingt das dann für die harte Arbeit nicht ein, 100 Real für 60 kg Mehl.

Die Leute wohnen in Holzhäusern auf Pfählen oberhalb der Wasserlinie. Grosse „Bretterbuden“ in denen sich das Leben abspielt. Große rechteckige Ausschnitte in Fenstergröße dienen als ebensolche. Aber ohne Glas oder Fliegengitter. Man kann sie nur mit einer Luke ganz verschliessen.

Das Klo ist eine Holzhütte mit einem Loch im Boden mindestens 20m vom Haus entfernt. Drumrum bewegen sich Nutztiere wie Schweine, Ziegen und Hühner frei.

Strom gibt es seit 2008 aus der Leitung – also keine Generatoren mehr. Das hat Lula eingeführt und der Strom ist billig. Brauchwasser fördert eine Pumpe aus dem Fluss und Trinkwasser gibts in Flaschen. Auf dem Landweg sind die Häuser praktisch nicht zu erreichen. Die Strasse ist der Fluss.


Und wir reden hier nicht von Slums oder ärmlichen Verhältnissen sondern von dem Standard in dem die Fischer und Bauern hier leben. Und sie wirken dabei nicht unglücklich!

Der Junge hat gerade den Schweinen das Futter gebracht. Unter dem Mangobaum wohnen zwei Ferkel.

Das ist die ganz normale Toilette. Ein Loch im Boden. Immerhin kann man die Tür zumachen.

Ganz wichtig ist, das praktisch jedes Haus einen Fussballplatz hat. Wir haben auch spontan ein bisschen rumgekickt und weil unsere Englischen Begleiter nur ihre eigenen Balltricks vorführen wollten, hat Petra dann den Platzeigentümer – einen ca 12 jährigen Jungen ins Spiel geholt, der dann das Tor gehütet hat. Bis er nicht aufpasste und ich das 1:0 für Deutschland erzielen konnte. Das war auch der Endstand, da die Engländer ca 11m vom Tor entfernt waren konnten sie ja naturgemäß gar nicht treffen. Sofort kam die Erinnerung an das 7:1 hoch … und zumindestens in Brasilien hat man jetzt eine sehr hohe Meinung von meinen fussballerischen „Künsten“. Da man ja bekanntlich auf dem Höhepunkt seiner Karriere aufhören soll, werde ich in BRA nicht mehr spielen.

Die Leute leben hier vom Fischen und bauen noch ein bisschen Maniok an. Ansonsten ist das meiste für den Eigenverbrauch. Wenn der Amazonas so wie jetzt Niedrigwasser hat, unterstützt die Regierung die Bauern damit sie nicht immer weiter den Wald roden.