{"id":1013,"date":"2015-11-03T14:50:53","date_gmt":"2015-11-03T13:50:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blumenet.com\/blog\/?p=1013"},"modified":"2019-04-03T14:53:43","modified_gmt":"2019-04-03T12:53:43","slug":"halbzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.blumenet.com\/blog\/?p=1013","title":{"rendered":"Halbzeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Einen Ersten Eindruck von Brasiliens S\u00fcden und den Menschen darin konnten wir uns jetzt verschaffen. Reich und arm liegen hier nicht weit auseinander. Durch die Fussg\u00e4ngerzonen und vor den Gesch\u00e4ften laufen neben Kunden, Gesch\u00e4ftsleuten und anderen Passanten auch manchmal die M\u00fcllsammler mit ihren Karren. Sie wohnen in den Fawelas und sortieren dort den gesammelten M\u00fcll bzw die Wertstoffe der Wegwerfgesellschaft und haben so ihr Auskommen. Letzlich haben sie so auch ihren Platz in dem Gesellschaftssystem. Nicht andes als die Pfandsammler in Deutschland. Andere leben in einfachen H\u00e4usern und bestreiten ihr Einkommen wie andere auch in Fabriken, B\u00fcros oder Beh\u00f6rden. Wer es sich leisten kann wohnt dann in den bewachten, umz\u00e4unten und kameragesicherten Condominhos. Der Elektrozaun auf der Mauerkrone wirkt schon ein bisschen wie das T-Rex-Gehege aus Jurassic Park. Manchmal auch kombiniert mit scharfem Stacheldraht. Immer mit Kameras und dem obligatorischen Wachmann am Eingang. Und hier reden wir jetzt nicht von Villen sondern von ganz normalen Einfamilienh\u00e4usern oder Reihenh\u00e4usern wo ganz normale Leute wohnen (so wie wir bei unseren Freunden auch).&nbsp;<br><b><br><\/b><\/p>\n\n\n\n<p><b>Luftspalte<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Errichtung von H\u00e4usern gelten hier v\u00f6llig andere Massst\u00e4be als wir sie in Deutschland gewohnt sind. Einfachverglasung und T\u00fcren ohne Falz sind standard. Bei Neubauten!! Scheint die Sonne auf die Haust\u00fcr, kann man sie zwischen T\u00fcrrahmen und dem T\u00fcrblatt sehen. Auf dem selben Weg bahnt sich nat\u00fcrlich auch Regen seinen Weg. Dementsprechend verzieht sich die T\u00fcr luftfeuchtigkeitsabh\u00e4ngig &#8211; vielleicht der Grund warum man hier kein Barometer braucht um die Luftfeuchtigkeit abzulesen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das es hier und da mal reinregnet ist jetzt auch nicht so ungew\u00f6hnlich. In dem B\u00fcrogeb\u00e4ude in dem wir am ersten Tag waren, peitschte der Regen gegen die Treppenhausfenster. Die Abwesenheit von Falz und Dichtung hatte dem nichts entgegenzusetzen und so lief das Wasser halt rein, bildete einen Bach auf der Treppe und fiel in der Mitte des Treppenhauses der Schwerkraft folgend in den Eingangsbereich. Das Ganze auf jeder Etage eines 15 st\u00f6ckigen Hauses. Im Eingangsbereich hat die Rezeptionistin dann alles aufgewischt. Der Rest l\u00e4uft an den W\u00e4nden runter und versaut die Bausubstanz. Das interessiert aber offensichtlich niemanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Man baut Einfamilienh\u00e4use hier in der Regel auch mit einer 10 cm Wandst\u00e4rke aus Lochziegeln. Sofern der Wunsch nach Statik besteht, werden auch Stahlbetonst\u00fctzen eingezogen. Stabil wirkt es im Rohbauzustand nicht wirklich, aber der Verputz verdeckt dann auch die L\u00f6cher im Mauerwerk. Isolierung verwenden \u00fcbrigens nur Elektriker. Diese wiederum m\u00fcssen wahre Chaosforscher sein. Strom und Telekommunikation kommen meist oberirdisch mit der \u00fcblichen historisch gewachsenen Kupferlandschaft in Form abenteuerlichen Makramees. So lange es funktioniert OK, aber einen Fehler suchen m\u00f6chte ich insbesondere in der Telefonverteilung nicht. Und was f\u00fcr Folgen das Umklemmen eines Kabels hat w\u00fcrde ich nicht ausprobieren wollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><b>Strassenverkehr<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Autofahren ist schon ein bisschen abenteuerlicher. Auf den Strassen ist alles unterwegs, was noch fahren kann und zu Fahrtbeginn auch anspringt. Gefahren wird z\u00fcgig und effektiv. Das bedeutet aber gleichzeitig, das rote Ampeln nur die versch\u00e4rfte Form eines Stopschildes sind. Beides gilt als Empfehlung f\u00fcr sinnvolles Fahrverhalten (\u00e4hnlich dem Serviervorschlag auf der Fertiggerichtpackung). Macht an Kreuzungen durchaus Sinn, aber warum sollte ein Motorradfahrer an einer roten Ampel in Abwesenheit von Querverkehr mit den Autos warten. Da kann man sich schon mal durchschl\u00e4ngeln und weiterfahren. A propos Motorradfahrer &#8211; Yamaha und Honda scheinen ihre gesamte Produktion an 125er Bikes hierhin zu liefern. Wer nicht Auto f\u00e4hrt ist mit so einer unterwegs. Auch eine Reihe Kuriere, die dann eine grosse Kunststoffbox hinten drauf haben und sich durch den Stadtverkehr schl\u00e4ngeln. Fahrr\u00e4der und Roller geh\u00f6ren nicht zum Strassenverkehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Blinken beim Spurwechsel ist generell verp\u00f6nt, das Tempolimit wird zwar weitgehend eingehalten aber trotzdem wird dort gefahren wo gerade Platz ist und man z\u00fcgig vorankommt. Das Stadtgebiet von Curitiba besteht weitestgehend aus mehrspurigen Einbahnstrassen. Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig aber scheinbar nicht uneffektiv. Nerviger sind da schon die immer wieder eingebauten Schwellen, die einen zum Bremsen zwingen wenn man seine Stossd\u00e4mpfer nicht eh schon in den zahlreichen Schlagl\u00f6chern ruiniert hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sicherheitsabstand gilt im \u00fcbrigen erst als unterschritten, wenn zwei Festk\u00f6rper wie etwa Stossstangen versuchen, sich gleichzeitig an der selben Position im Raum aufzuhalten, was nach den g\u00e4ngigen Gesetzen der Physik ja in der Regel nicht ohne Formver\u00e4nderung vonstatten geht. Sofern noch etwas Luft ist, passt das also. Wie immer, wenn der Deutsche von den Fahrweisen im Ausland spricht nat\u00fcrlich auch hier die erstaunte Erkenntnis, das nichts passiert. Alle fahren so und rechnen auch mit allem.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br><b>Parken<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Parken ist auch so eine lustige Sache. Shopping Malls haben modernste (!) Leitsysteme mit einer Leuchtanzeige \u00fcber jedem Parkplatz. Man wird durch ein volles Parkhaus zu einem freien Platz geleitet. Da tr\u00e4umen die meisten deutschen Parkpl\u00e4ze noch von. Parkt man am Strassenrand oder auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen so ist das zwar im Prinzip kostenlos aber wenn man zum Auto zur\u00fcckkommt, ist auch immer ein selbsternannter Parkplatzw\u00e4chter (manchmal in offiziell wirkender Warnweste, daf\u00fcr ohne Z\u00e4hne) zur Stelle. Mit ein paar Reais ist er gl\u00fccklich, denn er hat ja auf das Auto (unabh\u00e4ngig von der Parkdauer) aufgepasst. Ob der Herr die Autoknacker erst anruft oder was passiert wenn wirklich ein unautorisierter Geselle einen vom Eigent\u00fcmer nicht gewollten Besitz\u00fcbergang einleitet, weiss ich auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es noch die privaten Parkpl\u00e4tze in der Stadt oder auch an der F\u00e4hre zur Ilha do Mel. Wer etwas Platz f\u00fcr 10-30 Autos hat betreibt einen bewachten Parkplatz. Dort kann man sein Auto relativ sicher abstellen. Zumindestens gibt es eine gef\u00fchlte Sicherheit, da das Fahrzeug in einem abgeschlossenen Bereich steht. Ist glaub ich sogar versichert. Und damit hat auch wieder eine ganze Reihe von Parkplatzbewirtschaftungspersonal sein Auskommen.<\/p>\n\n\n\n<p><br><b>Dienstleistungen<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberrascht war ich gestern Abend vom Gasmann. Der kommt n\u00e4mlich nicht zum Z\u00e4hler Ablesen sondern in Ermangelung eines unterirdisch verlegten Gasanschlusses zum Flasche wechseln. Als am Montag Abend kein warmes Wasser mehr kam (Gasdurchlauferhitzer), wurde einfach mal schnell ne neue Buddel geordert und um 22 Uhr an einem Feiertag kam er mit ner neuen 30kg Flasche. Kleinere H\u00e4user werden von Motorr\u00e4dern beliefert, wo auch schon mal 5 von den kleinen 11 kg Flaschen dranget\u00fcddelt sind und die sich dann durch den Verkehr schl\u00e4ngeln.<\/p>\n\n\n\n<p><b>Kunst<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Street Art k\u00f6nnte hier erfunden worden sein. Die Bilder Grafitti zu nennen, ist untertrieben. Es gibt Stellen mit wirklich beachtenswerten und aussagekr\u00e4ftigen Bildern.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen Ersten Eindruck von Brasiliens S\u00fcden und den Menschen darin konnten wir uns jetzt verschaffen. Reich und arm liegen hier nicht weit auseinander. Durch die Fussg\u00e4ngerzonen und vor den Gesch\u00e4ften laufen neben Kunden, Gesch\u00e4ftsleuten und anderen Passanten auch manchmal die M\u00fcllsammler mit ihren Karren. 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